Fragen und Antworten

Leider hatte ich es in der Bürgerfragestunde aus zeitlichen Gründen nicht mehr geschafft, meine Fragen zur Lärmdemonstration der Deutschen Bahn AG zu stellen. Daher möchte ich an dieser Stelle meinen Unmut äußern.

Die akustisch dargebotenen Lärmpegel der Lärmsimulation der Deutschen Bahn AG entsprachen in meinen Augen/Ohren nicht der realen Lärmsituation in 25m Entfernung. Dies wurde mir von der Bahnmitarbeiterin vor Ort bestätigt. Vielmehr sollte die akustische Dämmwirkung durch verschiedene Schallschutzmaßnahmen verdeutlicht werden. Was allerdings fachlich vermutlich nicht beachtet wurde, ist die psychoakustische Empfindung dieser Pegeländerungen: Gleich große Pegeländerungen werden bei großen Pegeln deutlicher wahrgenommen als bei kleinen Pegeln.

Dies verdeutlichen die Intensitäts- bzw. Pegelunterschiedsschwellen des Normalhörenden: „Die Intensitätsunterschiedsschwelle, also der minimal erforderliche Modulationsgrad eines Tones, der erforderlich ist, damit der Normalhörige eine Intensitätsänderung wahrnimmt, beträgt in Hörschwellennähe ca. 3,5 dB (Anmerkung: bei kleinen Pegeln) und bei 80dB ca. 0,6 dB (Anmerkung: bei großen Pegeln).“

Leichter verständlicher ist, dass ein Pegelsprung bei leisen Pegeln subjektiv weniger unangenehm empfunden wird - da alles deutlich leiser ist - als ein gleichgroßer Pegelsprung bei lauten Pegeln. Dass die Bahn bei ihrer Lärmdemonstration nicht die realen Lärmpegel simuliert hat ist in meinen Augen bedauerlich und könnte als irreführend verstanden werden.

Irreführend war ebenfalls die visuelle Darbietung: Gezeigt wurde ein Zug in 25m Entfernung und ein Messgerät, das einen Schallpegel von ca. 70dB simulierte. Beides entsprach damit nicht der akustischen Darbietung. Auch diese ist irreführend!

In diesem Zusammenhang ist es für mich unverständlich, dass die Bahn trotz jährlich 100km lärmsanierter Gleise keine „Horchpunkte“ nennen kann, an denen man sich bzgl. der wahren Lärmpegel informieren kann. Vielleicht möchte die Bahn dies vorsätzlich verhindern?! Warum haben Sie der Bahn bei der Benennung kein Ultimatum gesetzt? So wird die Benennung der Horchpunkte in die Länge gezogen.

Neu war für mich auch die Formulierung „Trassenverlegung“ und nicht der Begriff „Neubaustrecke“. Will die Deutsche Bahn damit notwendige Mehrkosten durch erhöhte Bauvorgaben bei einer Neubaustrecke einsparen? Ist dies der Grund, warum die Bestandstrasse demnach zurückgebaut werden soll? Ist dies der Grund, warum somit der Personennahverkehr geopfert wird? Wenn es der Bahn somit um Kosteneinsparungen auf Kosten der Bevölkerung Ostholsteins geht, ist dies für mich nicht tolerierbar!

An dieser Stelle erlaube ich mir noch zwei Hinweise auf die Berichterstattung zur 18. Sitzung des Dialogforums in den Lübecker Nachrichten vom Freitag, den 5. Juni 2015.

Nicht zu vernachlässigen ist die Schallübertragung durch Bodenerschütterungen, die in Häusern Lärmimmissionen verursachen können. Diese werden durch Lärmschutzwände nicht reduziert.

In meinen Augen unglücklich war der Vergleich der Vortragslautstärke von Herrn Groß mit dem Lärmpegel eines Güterzugs. Bei dem Lärmpegel der Bahn handelt es sich um einen zeitlich gemittelten Schallpegel, der sogenannte Mittelungspegel. Hierbei wird der Vorbeifahrpegel (Zugvorbeifahrt) mit dem Ruhepegel verrechnet. Somit ergeben sich rechnerisch geringere Pegel als bei der Zugvorbeifahrt, die als störend angesehen wird. Hierbei können nachts Pegelschwankungen von bis zu 60dB auftreten. Die menschliche Stimme unterliegt ebenfalls Pegelschwankungen, die für uns zum Lauterkennen erforderlich sind. Diese Schwankungen sind allerdings deutlich geringer und werden von uns notwendigerweise deutlich angenehmer bewertet (Unser Ohr ist zum Hören von Sprache ausgelegt, nicht zu hören von Bahnlärm!). Daher ist für mich dieser Vergleich fachlich äußerst unglücklich.

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir noch weitere Anmerkungen zu den Plänen der Deutschen Bahn AG:
Kunststoffbremssohlen – fachmännisch irreführend als Flüsterbremsen bezeichnet (für meine Frau ein prädestiniertes Unwort des Jahres) – erzielen nur eine deutliche Wirkung, wenn mindestens 80% aller Waggons umgerüstet sind (s. Bundesvereinigung gegen Schienenlärm, Dr. Windelberg). Bei ca. 125.000 Güterwaggons in Deutschland und unzähligen europaweit, wird dies ein Mammutprojekt. Hoffentlich werden die deutschen Waggons nicht im Ausland eingesetzt, damit sie uns vor Lärm schützen. Übrigens: Ich erwarte, dass die anderen europäischen Länder dies anders sehen. Und ein Hinweis an dieser Stelle: Eine Halbierung des Lärms – wie von der Bahn versprochen – bedeutet eine Reduzierung um 10dB, also von zu laut auf laut!

Unterm Strich sollte eine raumverträgliche Trasse von Autobahn und Schienenwegen gewählt werden, die die Bevölkerung am sichersten schützt. Es ist für eine Volkswirtschaft besser, 8 Mrd. € für einen sinnvollen Trassenverlauf zu invertieren als 80 – 100 Mrd. € gesundheitliche Folgekosten zu bezahlen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Kauder
Am Bürgerhaus 25
23683 Scharbeutz

Martin Kauder - 14.06.2015

Die Lärmsimulation der Deutschen Bahn wurde in enger wissenschaftlichen Zusammenarbeit entwickelt, u.a. mit dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut.
Die Stelen haben das Ziel, Lärmeindrücke - die, wie Herr Kauder richtig schreibt, subjektiv sind - darzustellen und für die Öffentlichkeit greifbar zu machen.

Was das Thema Horchpunkte angeht: Wir sind gerade dabei Örtlichkeiten zu suchen, die ähnliche Bedingungen wie auf der Strecke zwischen Lübeck und Puttgarden aufweisen. Es steht zudem jedem Interessierten frei, sich in öffentlich frei zugänglichen Bereichen entlang von Schienenstrecken einen eigenen Eindruck von Bahnlärm zu machen.

Das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, durchgeführt vom Land Schleswig-Holstein, sieht eine zweigleisige, elektrifizierte und überwiegend neu gebaute Trasse inklusive der Umfahrung zahlreicher Gemeinden vor, bei gleichzeitiger Stilllegung der Bestandstrasse. Die Deutsche Bahn hat das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens anerkannt und auf dieser Basis die weiteren Planungen durchgeführt.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Wolf
Referent der Konzernbevollmächtigten für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein

Antwort von Daniel Wolf, Deutsche Bahn AG

- 07.08.2015

Ich würde gerne wissen, ob der ICE Halt in Puttgarden auch nach der Errichtung des Tunnels noch weiter vorgesehen ist? Ich könnte mir vorstellen, dass zur Beschleunigung der Strecke diese kleine Stadt ausgelassen wird?

Vielen Dank für Ihre Antwort und freundliche Grüße,

Mathis Hager

mhager - 23.07.2015

Sehr geehrter Herr Hager, nachfolgend beantworten wir gerne Ihre Frage.
Im Rahmen der Planungen der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltqerung der Deutschen Bahn, im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, ist ein ICE-Haltepunkt auf Fehmarn nicht mehr vorgesehen. Für den Regionalverkehr und den saisonalen IC-Verkehr wird auch nach dem Ausbau weiterhin die Möglichkeit bestehen den Haltepunkt Burg anzufahren. Der aktuelle ICE-Halt in Puttgarden ist aufgrund der Fährüberfahrt betrieblich/technisch heute notwendig. Beim Wegfall der Fährüberfahrt ist aus Betriebsgründen kein Halt mehr notwendig. Die aktuellen Fahrgastzahlen würden einen ICE-Halt in Puttgarden (als zweiten ICE-Haltepunkt neben Oldenburg) aktuell nicht rechtfertigen. Die Planungen sehen Oldenburg als ICE-Haltepunkt in Ostholstein vor. Mit ergänzenden sinnvollen und modernen Nahverkehrskonzepten wird Oldenburg als zentraler ICE-Haltepunkt Ausgang für die Weiterreise in die Region.

Beste Grüße
Maja Weihgold
Sprecherin Großprojekte
Kommunikation Infrastruktur (GNI 3)

Antwort von Maja Weihgold, Deutsche Bahn AG

- 27.07.2015

Mein Name ist Christiane Schumann, ich bin Sprecherin der BI Traveregion Dänischburg und habe mich aus absoluter Überzeugung der Allianz gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung angeschlossen.
Bereits im vergangenen Jahr habe ich Ihnen hier an dieser Stelle die Auswirkungen des Lärms der an der Trasse wohnenden Bürger geschildert und kann nur größte Empathie für alle betroffenen Menschen empfinden, da ich selbst seit fast 60 Jahren ca. 20 - 25 m an einer viel befahrenen Trasse wohne und trotz Lärmschutzwand und Elektrifizierung dem Lärm Tag und Nacht ausgesetzt bin. Sie erinnern sich eventuell noch:
• In der Nacht kein geöffnetes Fenster, schlafen nur mit Gehörschutz,
• Der Garten ist nicht mehr für eine Erholung nutzbar, eine Unterhaltung im Garten bei vorbeifahrenden Zügen ist absolut unmöglich.

Sie haben heute nun eine Lärmschutz-Demonstration veranstaltet. Meines Erachtens absolut unrealistisch.
Meine Damen und Herren, wie sollen denn die massiven Erschütterungen im Haus durch vorbeirasende Züge verhindert werden? Die vielen Risse in den Fußböden meines Hauses und Risse am Außenmauerwerk sprechen da aber eine ganz deutliche Sprache. Die Erschütterung durch vorbeirasende Züge ist nachts häufig derart stark, dass ich aufschrecke und nicht wieder einschlafen kann. Jeder Mensch hat auch eine andere Schlaftiefe.

Abgesehen von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen – und jeder Bürger hat doch ein Recht auf gesundheitliche Unversehrtheit - stelle ich hier öffentlich die Frage: Wenn die von der favorisierten Trasse betroffenen Landwirte einen finanziellen Ausgleich erhalten, müssten dann nicht ebenfalls betroffene Bürger einen finanziellen Ausgleich für den Wertverlust ihrer Immobilie und Grundstücke bekommen? Ich empfinde das als ein Angriff auf das Eigentum der Bürger. Ja, Haus und Grundstück sind das Lebenswerk der Normalbürger, eben ihre Existenz. Auf einmal gerät unsere finanziell gefestigte Lebensplanung in Gefahr und das auch noch für viele Bürger, die bereits im Ruhestand sind und keine finanziellen Rücklagen mehr bilden können. Viele Eigentümer haben ein Leben lang dafür hart gearbeitet, damit Sie im Alter finanzielle Sicherheit haben.
Und Sie glauben doch nicht, dass diese betroffenen Häuser und Grundstücke mit Tag und Nacht vorbeirasenden 78 Güterzügen mit einer Länge von 800 m, eventuell noch mit gefährlichem Inhalt, zu einem realistischen Preis verkauft werden können, ja überhaupt einen Interessenten finden.
Ich persönlich werde immer wieder, zum Teil sogar vorwurfsvoll, gefragt, weshalb ich überhaupt ein Haus an der Trasse gekauft habe.

Ich möchte Ihnen ganz kurz einmal meine Betroffenheit schildern, um hier auch einmal einen ganz menschlichen Aspekt hineinzubringen:
Meine Großmutter kam 1945 mit ihren beiden Töchtern, meiner damals 15- jährigen Mutter und ihrer 5-jährigen Schwester als Flüchtlinge aus dem Osten in das Baracken-Travelager nach Schlutup. Nach einem Jahr schlug das Schicksal wiederum hart zu. Die dann erst 6-jährige Schwester meiner Mutter kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben den ein englisches Besatzungsmitglied verursachte.
Ich wurde in dem Travelager geboren, mein Vater verstarb mit erst 24 Jahren. So stand meine Mutter als 21-jährige Witwe mit einem 3-jährigen Kind völlig mittellos da. Mein Großvater kam erst 1952 aus russischer Gefangenschaft. Meine Großeltern erhielten dann für ihr verlorenes Eigentum im Osten einen geringfügigen Lastenausgleich und investierten diesen in das mit harter eigener Kraft neu gebaute Haus in Dänischburg.

Nach fast 11-jährigem furchtbarem Barackenaufenthalt, den ich bis heute nicht vergessen kann, sind dann meine Großeltern, meine Mutter und ich endlich glücklich und befreit in das neue Haus gezogen. Meine Großeltern und meine Mutter haben dann weiterhin hart körperlich gearbeitet, um den noch zusätzlich aufgenommenen Kredit abzuzahlen. Das Grundstück war ein ganz preiswertes Erbpachtgrundstück, lag vollkommen ungeschützt an der Trasse. Glauben Sie mir, zu der Zeit – 1956 – war es meinen Großeltern ganz egal wie laut es dort war, sie hätten sich auch gar kein anderes Grundstück leisten können und sie wollten endlich raus aus dem vollen Barackenlager mit nur einem 1 Zimmer. Sie waren so stolz auf ihr neues, mit eigenen Händen erbautes kleines Siedlungshäuschen. Leider verstarb mein Großvater mit nur 58 Jahren. Da ich das einzige Enkelkind bin und meine Großmutter mir ein leichteres Leben wünschte als sie es jemals hatte, vererbte sie mir das Haus bereits nach meiner Volljährigkeit .Sie hatte selbstverständlich Wohnrecht bis auf Lebenszeit, erkrankte dann an Alzheimer und ich habe sie bis zu ihren Tode gepflegt. Bis zum heutigen Tag bin ich meinen Großeltern dankbar.

Mein Mann und ich haben ebenfalls unsere gesamten Ersparnisse in das Haus für umfangreiche Renovierungsarbeiten und dann auch noch für den Grundstückskauf vor ein paar Jahren investiert, damit wir selbstbestimmend unseren Lebensabend verbringen können und niemandem, d.h. der nächsten Generation zur Last fallen.

Meine Schilderung ist nun meine ganz persönliche Betroffenheit und die jetzt von der favorisierten Trasse betroffenen Hauseigentümer haben ebenfalls Schicksale, weshalb sie für den Werterhalt ihres Eigentumes kämpfen.

Meine Damen und Herren, ich bin mir ganz sicher, wären Sie in der Situation der betroffenen Bürger, würden Sie hier nicht als Befürworter agieren.

Wer hat denn überhaupt ein Interesse an diesem Projekt, etwa Deutschlands Bürger? Nein ganz bestimmt nicht, sondern Skandinavien ist daran interessiert und die Belastung der Steuerzahler, sprich der nachfolgenden Generation wird immer größer werden. Die Kosten sind nicht mehr kalkulierbar und werden sich somit zu einer Dauerbelastung entwickeln.

Meine Damen und Herren, hier und heute fordere ich nochmals - ganz bestimmt im Sinne aller betroffenen Bürger: „Hände weg von diesem Projekt.“

Christiane Schumann - 14.06.2015
- 14.06.2015