Fragen und Antworten

Mein Name ist Christiane Schumann, ich bin Sprecherin der BI Traveregion Dänischburg und habe mich aus absoluter Überzeugung der Allianz gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung angeschlossen.
Bereits im vergangenen Jahr habe ich Ihnen hier an dieser Stelle die Auswirkungen des Lärms der an der Trasse wohnenden Bürger geschildert und kann nur größte Empathie für alle betroffenen Menschen empfinden, da ich selbst seit fast 60 Jahren ca. 20 - 25 m an einer viel befahrenen Trasse wohne und trotz Lärmschutzwand und Elektrifizierung dem Lärm Tag und Nacht ausgesetzt bin. Sie erinnern sich eventuell noch:
• In der Nacht kein geöffnetes Fenster, schlafen nur mit Gehörschutz,
• Der Garten ist nicht mehr für eine Erholung nutzbar, eine Unterhaltung im Garten bei vorbeifahrenden Zügen ist absolut unmöglich.

Sie haben heute nun eine Lärmschutz-Demonstration veranstaltet. Meines Erachtens absolut unrealistisch.
Meine Damen und Herren, wie sollen denn die massiven Erschütterungen im Haus durch vorbeirasende Züge verhindert werden? Die vielen Risse in den Fußböden meines Hauses und Risse am Außenmauerwerk sprechen da aber eine ganz deutliche Sprache. Die Erschütterung durch vorbeirasende Züge ist nachts häufig derart stark, dass ich aufschrecke und nicht wieder einschlafen kann. Jeder Mensch hat auch eine andere Schlaftiefe.

Abgesehen von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen – und jeder Bürger hat doch ein Recht auf gesundheitliche Unversehrtheit - stelle ich hier öffentlich die Frage: Wenn die von der favorisierten Trasse betroffenen Landwirte einen finanziellen Ausgleich erhalten, müssten dann nicht ebenfalls betroffene Bürger einen finanziellen Ausgleich für den Wertverlust ihrer Immobilie und Grundstücke bekommen? Ich empfinde das als ein Angriff auf das Eigentum der Bürger. Ja, Haus und Grundstück sind das Lebenswerk der Normalbürger, eben ihre Existenz. Auf einmal gerät unsere finanziell gefestigte Lebensplanung in Gefahr und das auch noch für viele Bürger, die bereits im Ruhestand sind und keine finanziellen Rücklagen mehr bilden können. Viele Eigentümer haben ein Leben lang dafür hart gearbeitet, damit Sie im Alter finanzielle Sicherheit haben.
Und Sie glauben doch nicht, dass diese betroffenen Häuser und Grundstücke mit Tag und Nacht vorbeirasenden 78 Güterzügen mit einer Länge von 800 m, eventuell noch mit gefährlichem Inhalt, zu einem realistischen Preis verkauft werden können, ja überhaupt einen Interessenten finden.
Ich persönlich werde immer wieder, zum Teil sogar vorwurfsvoll, gefragt, weshalb ich überhaupt ein Haus an der Trasse gekauft habe.

Ich möchte Ihnen ganz kurz einmal meine Betroffenheit schildern, um hier auch einmal einen ganz menschlichen Aspekt hineinzubringen:
Meine Großmutter kam 1945 mit ihren beiden Töchtern, meiner damals 15- jährigen Mutter und ihrer 5-jährigen Schwester als Flüchtlinge aus dem Osten in das Baracken-Travelager nach Schlutup. Nach einem Jahr schlug das Schicksal wiederum hart zu. Die dann erst 6-jährige Schwester meiner Mutter kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben den ein englisches Besatzungsmitglied verursachte.
Ich wurde in dem Travelager geboren, mein Vater verstarb mit erst 24 Jahren. So stand meine Mutter als 21-jährige Witwe mit einem 3-jährigen Kind völlig mittellos da. Mein Großvater kam erst 1952 aus russischer Gefangenschaft. Meine Großeltern erhielten dann für ihr verlorenes Eigentum im Osten einen geringfügigen Lastenausgleich und investierten diesen in das mit harter eigener Kraft neu gebaute Haus in Dänischburg.

Nach fast 11-jährigem furchtbarem Barackenaufenthalt, den ich bis heute nicht vergessen kann, sind dann meine Großeltern, meine Mutter und ich endlich glücklich und befreit in das neue Haus gezogen. Meine Großeltern und meine Mutter haben dann weiterhin hart körperlich gearbeitet, um den noch zusätzlich aufgenommenen Kredit abzuzahlen. Das Grundstück war ein ganz preiswertes Erbpachtgrundstück, lag vollkommen ungeschützt an der Trasse. Glauben Sie mir, zu der Zeit – 1956 – war es meinen Großeltern ganz egal wie laut es dort war, sie hätten sich auch gar kein anderes Grundstück leisten können und sie wollten endlich raus aus dem vollen Barackenlager mit nur einem 1 Zimmer. Sie waren so stolz auf ihr neues, mit eigenen Händen erbautes kleines Siedlungshäuschen. Leider verstarb mein Großvater mit nur 58 Jahren. Da ich das einzige Enkelkind bin und meine Großmutter mir ein leichteres Leben wünschte als sie es jemals hatte, vererbte sie mir das Haus bereits nach meiner Volljährigkeit .Sie hatte selbstverständlich Wohnrecht bis auf Lebenszeit, erkrankte dann an Alzheimer und ich habe sie bis zu ihren Tode gepflegt. Bis zum heutigen Tag bin ich meinen Großeltern dankbar.

Mein Mann und ich haben ebenfalls unsere gesamten Ersparnisse in das Haus für umfangreiche Renovierungsarbeiten und dann auch noch für den Grundstückskauf vor ein paar Jahren investiert, damit wir selbstbestimmend unseren Lebensabend verbringen können und niemandem, d.h. der nächsten Generation zur Last fallen.

Meine Schilderung ist nun meine ganz persönliche Betroffenheit und die jetzt von der favorisierten Trasse betroffenen Hauseigentümer haben ebenfalls Schicksale, weshalb sie für den Werterhalt ihres Eigentumes kämpfen.

Meine Damen und Herren, ich bin mir ganz sicher, wären Sie in der Situation der betroffenen Bürger, würden Sie hier nicht als Befürworter agieren.

Wer hat denn überhaupt ein Interesse an diesem Projekt, etwa Deutschlands Bürger? Nein ganz bestimmt nicht, sondern Skandinavien ist daran interessiert und die Belastung der Steuerzahler, sprich der nachfolgenden Generation wird immer größer werden. Die Kosten sind nicht mehr kalkulierbar und werden sich somit zu einer Dauerbelastung entwickeln.

Meine Damen und Herren, hier und heute fordere ich nochmals - ganz bestimmt im Sinne aller betroffenen Bürger: „Hände weg von diesem Projekt.“

Christiane Schumann - 14.06.2015
- 14.06.2015

Die im Ergebnis des Raumordnungsverfahrens vorgeschlagene Trasse sieht vor, die Orte in der Lübecker Bucht vom SPNV abzuhängen.
Inwieweit wird dadurch der gesamte SPNV auf der Strecke Lübeck - Fehmarn gefährdet, so dass langfristig dessen vollständige Einstellung droht?

Ersatzweise sollen Busse eine Anbindung an die Bahn herstellen.
- Wie soll dieses Angebot konkret aussehen (Fahrtenhäufigkeit, Nutzerkosten)? Wird es zu jeder Zugfahrt an jeder Station mindestens je eine Zu- und Abbringer-Busfahrt geben?
- Welche Ersteller-Kosten werden für diese Busverkehre pro Jahr entstehen? (Für ein halbwegs adäquates Angebot dürfte mit Kosten in Höhe von weit über 1 Million Euro/Jahr zu rechnen sein.)
- Wer wird diese Kosten tragen?
- Wie wird sichergestellt, dass diese Mittel nicht an anderer Stelle "abgezwackt" werden?
- Wie und mit welcher Laufzeit gehen diese Kosten in Nutzen/Kosten-Betrachtungen ein?
- Was passiert, wenn eine etwaige Kostenübernahme durch den Bund ausläuft? Bleiben die Kosten dann an den Kommunen hängen?

Bundesrechnungshof - 15.09.2014
- 15.09.2014

1. Wann wird eine aktuelle Kostenschätzung der festen Fehmarnbelt-Querung erstellt? Wann wird sie veröffentlicht? Die letzte Kostenschätzung, die veröffentlicht wurde, ist von 2008.

2. Wann wird die von der EU geforderte CBA (Cost-benefit analysis) gemacht, die für den Antrag auf Fördergeld für den Tunnelbau notwendig ist? Diese muss nach den Richtlinien der EU in einem standardisierten Verfahren durchgeführt werden (Guidelines DG Regio). Ist schon eine Firma beauftragt und wann ist mit dem Ergebnis zu rechnen? In einer Studie der EU wird diese CBA gefordert, da die letzten Nutzen/Kostenrechnungen von 2004 ist. Sie ist veraltet und es wurde kein standardisiertes Verfahren angewendet

Allianz - 22.05.2014

Zu Frage 1: Eine neue Kostenschätzung für die Feste Fehmarnbeltquerung wird auf Veranlassung der dänischen Regierung erstellt. Nach unserer Einschätzung wird dies voraussichtlich um den Jahreswechsel 2015/2016 der Fall sein. Grundsätzlich werden alle diesbezüglichen Entscheidungen allein von der dänischen Regierung getroffen.

Zu Frage 2: Die Entscheidung, ob eine neue Kosten-Nutzen-Analyse für die Feste Fehmarnbeltquerung erstellt wird, trifft allein die dänische Regierung. Femern A/S liegen hierzu keine Informationen vor.

Antwort von Stephan Siegert, Femern A/S

- 21.05.2014